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Hilfe, wenn das Schicksal unerträglich ist

Das DRK-Kriseninterventionsteam stellt sich vor

Unser Foto zeigt das Leitungsteam (v.l.) Andrea Vollmar und Selene Genovese.

Wenn ein Angehöriger ganz plötzlich verstirbt und nicht wiederbelebt werden konnte, wenn Rettungskräfte einen schlimmen Einsatz nur schwer verarbeiten können oder wenn das Haus brennt und die Flammen wertvolle Gegenstände und Erinnerungen für immer zerstören- das sind drei Beispiele, bei denen das Kriseninterventionsteam (KIT) des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Aktion tritt. "Diese Gruppe arbeitet ausschließlich ehrenamtlich und ist sehr wertvoll für uns und die Bevölkerung", sagt DRK-Kreisgeschäftsführer Stefan Adam.

Der jüngste Einsatz, den zahlreiche Menschen miterlebt haben, war der Beziehungsstreit mit tödlichem Ende in einem Kindergarten am Pfozheimer Schloßberg. Auch beim Amok-Alarm an einer Schule in Steinegg vor einigen Wochen war das KIT vor Ort. "Im Schnitt werden wir rund 150-mal pro Jahr angefordert," sagt Andrea Vollmar. Sie leitet die Gruppe nach dem Ausscheiden von Gudrun Augenstein zusammen mit Selene Genovese. Vollmar engagiert sich schon seit 17 Jahren beim KIT und ist zudem als "Helfer vor Ort" in Neulingen-Nußbaum aktiv. Genovese ist psychologische Beraterin hat mehrere Fachausbildungen in Traumabewältigung, eine Hospizausbildung im Bereich Kinder u. Jugendliche sowie eine Ausbildung zur Gestalttherapeutin.

Die zwölf Mitarbeiter des KIT kommen stets zu zweit und erleben häufig schwere Schicksale. Sie hören sich die Sorgen der Betroffenen an, bieten Hilfe für den Augenblick- zum Beispiel Kleider aus dem DRK-Kleiderladen - oder organisieren die Betreuung der Angehörigen. Besonders betroffen sind Kinder, wenn sie die Aufregung der Eltern bei einem Schicksalsschlag nicht nachvollziehen können. Auch wenn ein Reanimationsversuch erfolglos bleibt, verständigt die Integrierte Leitstelle das Kriseninterventionsteam, um den Verwandten die Situation begreiflich zu machen. "Wir begleiten die Betroffenen auf Wunsch auch bis zur Beerdigung oder zeigen alternative Möglichkeiten zum Abschiednehmen auf - sei es für Schulklassen, wenn ein Mitschüler oder ein Lehrer verstorben ist, oder für Menschen, deren Freund im Ausland beerdigt werden soll", sagt Genovese.

Das KIT ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Psychosoziale Notfallversorgung (PG PSNV), der die darin beteiligten Organisationen betreut und sich um die Supervision der Mitarbeiter kümmert. "Das Reden nach einem Einsatz ist enorm wichtig für uns. Schließlich bekommen wir in kürzester Zeit ganze Familienkatastrophen mit", sagt Vollmar.

Die Mitarbeiter des KIT sind im ganzen Enzkreis verteilt. "Im östlichen Bereich sowie in Mühlacker, Keltern und Heimsheim könnten wir noch Verstärkung gebrauchen", sagt Genovese. Wer sich in diesem Team engagieren möchte, der muss mindestens 23 Jahre alt und psychisch gefestigt sein, die eigene Persönlichkeit zurückstellen zu können, mit Tod und Trauer umgehen können und wollen sowie zu zeitintensiven Einsätzen bereit sein. Die Kosten für die Ausbildung mit 80 Unterrichtseinheiten übernimmt das DRK. Interessierte melden sich telefonisch unter (07231) 373-215.

Text+Foto: D. Kneis

1. September 2017 19:39 Uhr. Alter: 18 Tage

 

 


 

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